Ev.-luth. Nicolaigemeinde Herzberg

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Ab dem 14. September werden die Blickpunkte verteilt. Wir suchen immer wieder Austeiler/innen (aktuell: Kastanienplatz). Wer mithelfen möchte, wende sich an Beate Teuber

Blickpunkt 4/17 online

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Abendmahl ! – aber wie?

Die Zahl der Abendmahlsfeiern ist in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen. Das ist gut so. Das Abendmahl macht uns die Gegenwart unseres Herrn erfahrbar. Mit der Zahl der Abendmahlsfeiern ist aber auch die Unterschiedlichkeit gewachsen, wie das Abendmahl gefeiert wird.
Unsere Abendmahlfeiern orientieren sich an der Abendmahlsfeier, die Jesus mit seinen Jüngern am Tag vor seiner Kreuzigung gehalten hat. Dabei hat Jesus die sogenannten Einsetzungsworte gesprochen und zunächst das Brot und dann den Kelch herumgegeben. Er gab also dem ersten Jünger Brot und Kelch und dann haben sich die Jünger Brot und Wein selbst weitergereicht. Es gibt Abendmahlsfeiern, wo das auch so praktiziert wird.
In den meisten Abendmahlsfeiern wird uns Brot und Wein vom Pastor/ von der Pastorin oder einem Kirchenvorsteher gereicht. Normalerweise empfängt man das Brot mit geöffneten Händen und lässt sich den Kelch in die Hand geben. Dabei wird noch einmal zugesagt, worum es sich handelt. Die normale „Spendeformel“ lautet: „Christi Leib, für dich gegeben“ / „Christi Blut, für dich vergossen“. Andere (vom Inhalt her gleiche) Spendeformeln sind möglich. Die Spendeformel beantwortet man mit einem „Amen“. Amen bedeutet: „So sei es“. Und man bringt damit zum Ausdruck, dass z. B. das Brot nun auch zu Christi Leib für mich werden möge.
Immer wieder hat man das Abendmahl mit großer Heiligkeit verbunden. In der katholischen Kirche vertritt man die Auffassung, dass sich Brot und Wein in Leib und Blut Christ verwandelt. Deshalb achtet man dort sehr genau darauf, dass nichts verloren geht. Und deshalb trinkt meistens der Priester auch den Kelch allein, damit auf keinen Fall etwas davon zu Boden fällt. Selbstverständlich ist die Kelchkommunion in der katholischen Kirche heute für alle möglich.
Auch in der lutherischen Kirche ist Jesus Christus im Abendmahl real präsent, aber Brot und Wein verwandeln sich nicht, sondern Leib und Blut Christi kommen dazu, und das auch nur während der Abendmahlsfeier. Die Heiligkeit hat auch hier eine große Rolle gespielt. Es gibt auch heute noch einige Menschen, die Brot und Kelch nicht berühren wollen und sich das Brot in den Mund geben lassen. Wir als Kirche befürworten allerdings den Empfang mit den Händen. Denn unser Herr gibt sich uns nicht so, dass wir vor ihm Angst haben müssten.
Nach drei der vier Evangelien war Jesu letztes Abendmahl ein Passahmahl. Dann wäre bei diesem Mahl ungesäuertes Brot verwendet worden. Das ist deshalb in der westlichen Kirche auch so üblich geworden. Unsere Oblaten (Hostien) sind ungesäuertes Brot. Sie sind auch haltbar und gut zu handhaben. Das ist aber keine Pflicht. Selbstverständlich kann auch normales Brot oder Weißbrot Gebrauch finden. Bei kleineren Abendmahlsfeiern verwendet man gern Baguette, wo jeder dem nächsten ein kleines Stück abbricht. Hier wird das „Brotbrechen“ stärker erlebbar. Die orthodoxe Kirche verwendet nur gesäuertes Brot.
Das Getränk war Wein. Unvergorene Fruchtsäfte gab es in der Antike kaum. Für sie gab es keine Möglichkeiten, sie haltbar zu machen. Heute verwendet man häufig neben Wein auch Traubensaft. Damit möchte man besonders Alkoholikern entgegenkommen. Dagegen ist nichts einzuwenden. Ich persönlich würde es allerdings für wichtig halten, dass neben Traubensaft auch der Wein beim Abendmahl erhalten bleibt. Der Wein ist dichter am Mahl Jesu, vor allem aber symbolisiert er, dass es ein Fest ist, das wir feiern. Denn das Abendmahl nimmt nicht nur das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern auf, sondern nimmt zugleich symbolisch das Festmahl vorweg, das wir mit Jesus im Reiche Gottes feiern werden. Zudem ist Wein für die meisten Allergiker besser. In vielen Gemeinden wird Saft oder Wein im Wechsel angeboten und es wird im Gemeindebrief angekündigt, ob Wein oder Saft gereicht wird, in anderen Gemeinden wird auch beides in einer Abendmahlsfeier wahlweise angeboten.
Jesus ließ bei seinem letzten Mahl einen Kelch herumgehen, aus dem alle tranken. Das war in der Antike auch durchaus nicht ungewöhnlich. Das Trinken aus dem einen Kelch macht ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl deutlich. Wir sind, indem wir gemeinsam aus einem Gefäß trinken, eine vertraute Gemeinschaft. Luther hat sehr viel Wert darauf gelegt, dass der zu seiner Zeit nur den Priestern vorbehaltene Kelch allen gereicht wird. Das war für Luther ein wesentliches Zeichen für eine stiftungsgemäße Abendmahlfeier.
Vielen heute ist das Trinken aus einem Kelch merkwürdig und man hat vor allem hygienische Bedenken. Normalerweise wird deshalb heute nach vier bis fünf Kommunikanten (je nach Kelchgröße) der Kelch desinfiziert. Eine Ansteckungsgefahr ist bei Wein so gut wie gar nicht, bei Traubensaft kaum gegeben.
Um den hygienischen Bedenken vieler Menschen entgegenzukommen, haben einige Gemeinden Einzelkelche eingeführt. Jeder Abendmahlsteilnehmer nimmt sich auf dem Weg zum Altar einen kleinen Kelch, in diesen kleinen Kelch wird aus einem großen Kelch (Gießkelch) der Wein eingegossen, der dann wie bei einer normalen Abendmahlsfeier auch gleich getrunken wird. Der Einzelkelch ist tatsächlich die einzige hygienisch absolut sichere Art des Kelchempfangs. Ich begrüße diese Form und finde sie sehr sinnvoll, wenn in der Kirchengemeinde hygienische Bedenken groß sind. Allerdings geht dabei auch ein wichtiger symbolischer Wert, die Gemeinschaft, verloren.
Immer gebräuchlicher wird zur Zeit die sogenannte „Intincto“, das Eintauchen der Oblate in den Kelch. Viele halten diese Form für hygienischer, was aber ein Irrtum ist. Denn immer wieder wird die Oblate zu tief eingetaucht, so dass auch der Finger den Wein berührt. Damit kommen mehr Keime in den Kelch als beim Trinken.
Die Intinctio kommt aus der orthodoxen Kirche, wo sie aber (auf Grund des gesäuerten Brotes) völlig anders gehandhabt wird. Bei unseren Abendmahlsfeiern wird die Intinctio fast überall akzeptiert. Wenn jemand diese Form als die Form entdeckt hat, in der er leichter mitfeiern kann, soll er das gerne tun.
Theologisch wird eingewandt, dass diese Form nicht stiftungsgemäß ist. Das ist richtig, denn Jesus reicht den Kelch herum, damit die Jünger aus ihm trinken. Intinctio als „normale“ Abendmahlsform einer Kirchengemeinde ist deshalb mehr als problematisch.
Eines ist auf jeden Fall wichtig: Kirchengemeinden dürfen die Intinctio nicht so praktizieren, dass Menschen gehindert werden, aus dem Kelch zu trinken. Ein Abendmahl, das den Menschen wieder den Kelch entzieht, ist kein evangelisches Abendmahl mehr.
Bei all diesen unterschiedlichen Formen ist mir eines wichtig: Unser Herr Jesus hat viel mehr Möglichkeiten als wir denken, sich uns zu schenken. Er kann auch manches richtig machen, was wir falsch machen. Und das finde ich tröstlich.
Volkmar Keil