Ev.-luth. Nicolaigemeinde Herzberg

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Was spricht dafür, Kirchenmitglied zu sein?

Hier sind zwölf Argumente, warum die Kirche wichtig ist:

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Räume, in denen der Glaube lebt

„Die Füchse haben Gruben, die Vögel haben Nester, aber der Menschensohn hat keinen Ort, wo er sein Haupt niederlege.“ So schroff erteilt Jesus Christus für sich selbst eine Absage an Geborgenheit, an ein Zuhause, an Beheimatung.
Wenn einer das für sich übernehmen wollte, er müsste den Weg in die Wüste nehmen, so wie manche christliche Eremiten in den ersten Jahrhunderten des christlichen Glaubens. Aber auch die wohnten in Höhlen, die Mönche und Nonnen später in Klöstern. Wie viele wunderbare Bauwerke sind entstanden, nur um der Welt mit ihrer Sehnsucht nach Beheimatung eine Absage zu erteilen. Historische Klosteranlagen, große Kathedralen, wundervolle Dome, aber angefangen hatte das in den Katakomben, wo die ersten Christen zusammen kamen zu ihren Gottesdiensten. Dort, wo keiner hinwollte, da feierten sie ihre Geborgenheit bei Gott, Räume, in denen ihr Glaube lebte. Und als sie unter Konstantin die Katakomben verlassen konnten, triumphierten sie und nahmen die Kaisertempel in Besitz, die Basiliken, die zum Urbild aller Kirchengebäude im Mittelalter wurden. Die Weltvergessenheit trat in den Hintergrund und Kirchen wurden gebaut.
Auch die Christen richteten sich in der Welt ein, bis hin zur Institution „Kirche“.
Glaubensräume wurden gestaltet. Wir bewundern sie bis heute. Eigentlich ein Widerspruch in sich. Jedes Kirchengebäude stellt sich selbst in Frage. Heimat suchen bei Gott, im Glauben. Unterwegs sein zu ihm. Aber die Organisationstruktur von Kirche weiter ausbauen und für die Zukunft sichern?
Schon als die Sesshaftigkeit zur Zeit des Alten Testamentes in Israel Gewohnheit wurde, ging vieles verloren von dem Tempelzelt, der Stiftshütte, die die ethischen Grundlagen aufbewahrte hatte, die 10 Gebote. Die Propheten klagten es ein, bis hin dazu, dass Jesus, der heimatlose Wanderprediger, als Fremdkörper betrachtet und aus dem Weg geräumt wurde.
Heimatlosigkeit, unterwegs sein, wie das Volk Israel in der Wüste auf Wanderung, darin hat die Kirche immer ein Vorbild gesehen. Ägypten hatten sie verlassen. Was vor ihnen lag, wussten sie nicht, hatten aber große Hoffnung, beflügelt vom Vertrauen auf Gott. Und doch benötigten sie ein Zelt, einen Raum, in dem ihr Glaube leben konnte. Und wenn es nur der Schatten eines Baumes irgendwo in Afrika ist, oder eine Lehmhütte, in der eine Kerze auf dem Tisch brennt.
Welche Räume benötige ich für meinen Glauben? Die Natur, den Wald und die Berge, oder mein Herz und meine Überzeugungen. Auch Gedankengebäude sind Räume, in denen wir leben. Der Glaube benötigt Räume, in denen er leben und sich entfalten kann.
Bei den vielen Veränderungen, die unsere Kirche zur Zeit erlebt, sollten wir uns zurück besinnen.
Was für eine Art von Raum benötigt mein Glaube?

Bernhard Sulimma