Ev.-luth. Nicolaigemeinde Herzberg

ÜBERRASCHEND - OFFEN - VIELFÄLTIG

Die Glockenkammer des Nicolai-Turms

 

Den meisten Besuchern wird er gar nicht auffallen, ein Handgriff oben am Balkengerüst,

in dem die Glocken hängen.

 

So weit oben, dass er vom Boden aus nicht zu erreichen ist. Was soll so ein Handgriff in unerreichbarer Höhe?

 

Er hatte einmal eine wichtige Funktion, lange bevor die elektrische Läuteanlage installiert wurde.

 

       

 

Drei unterschiedlich große Glocken beherbergt der Nicolaiturm.

 

Die kleinste Glocke wurde 1624 bei Fobbe in Göttingen gegossen. Sie hat einen Durchmesser von 59 cm und wiegt 100 kg. Man sagt ihr eine positive Klangwirkung nach. Der Nachhall ist sehr groß. Wenn eine Kind in der Gemeinde geboren wird, kann sie auf Wunsch der Eltern geläutet werden und die Geburt verkündigen.

 

Die mittlerer Glocke hat eine besondere Geschichte. Sie ist auch die schönste mit vielen Verzierungen und Inschriften. 91 cm im Durchmesser und ein Gewicht von 450 kg. Sie wurde 1731 bei Derling in Königsberg in Ostpreußen gegossen und hing bis zum 2. Weltkrieg in Landsberg im Kreis Preußisch-Eylau. Sie trägt die Namen von Bürgermeister, Richter, 5 Kirchenvorstehern, Pfarrer, Diakon und Kantor der ostpreußischen Gemeinde, die sie in Auftrag gegeben hat.    

 

Die große Glocke trägt einen Namen „Caroline“ und stammt aus dem 13. Jahrh. Sie gehört zu den ältesten Glocken in Niedersachsen. Im Duchmesser 1,18 m kommt sie auf ein Gewicht von 1000 kg. Eine lateinische Inschrift besagt:„ Die Leichen beklage ich, die Wetter zerteile ich“. Wenn ein Mitglied der Nicolaigemeinde gestorben ist, erklingt diese Glocke über Herzberg.  

 

Die kleine und die mittlere Glocke wurden früher mit Seilen bewegt und zum Klingen gebrachte. So, wie es auch in vielen anderen Kirchentürmen vor den elektrischen Läuteanlagen üblich war. Die große Glocke aber wurde getreten.  

 

Wer sie zum Klingen bringen wollte, musst eine Treppe hinauf-steigen. Sie steht heute noch in der Glocken-kammer. Mit einem Fuß musste er sich auf den Randbalken des Glocken-gerüstes stellen. Mit dem anderen Fuß trat er auf ein Brett, dass an der Glockenaufhängen be- festigt war, eine Art Pedal. Mit dem Fuß brachte er die Glocke zum Schwingen. Und dabei hielt er sich an dem Holzgriff oben fest. Nur zu diesem Zweck ist der Holzgriff dort oben angebracht worden. Es war übrigens nicht ganz ungefährlich. Wer von dem Pedalbrett abruschte, konnte sich den Fuß schwer verletzten. Eine Person konnte die große Glocke zum Schwingen. Und wenn sie genug Schwung hatte, mit Seilen die beiden kleineren Glocken  bewegen.

 

Ein Nachteil hat die Glockenkammer. Zur Stadt hin wird der Klang vom Kirchendach abgeschwächt. In diese Richtung hat die Glockenkammer auch keine Schallöffnungen. Bis jetzt aber war das Geläut des Nicolaikirchturms in Herzberg gut zu hören.